Highlights

DKVF: Die Programm-Highlights

Die Auswirkungen einer älter werdenden Gesellschaft mit Zunahme chronischer Erkrankung und der Multimorbidität, der drohende Ärztemangel auf dem Land, Qualität und Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser, Digitalisierung im Gesundheitswesen– längst schon gehören diese Themen zum Alltag gesundheitspolitischer Entscheider. Gefragt sind flexible, Lösungen, die die regionalen Besonderheiten berücksichtigen und sich am Bedarf der Patienten orientieren. „Zukunft regionale Versorgung“ – so lautet das Motto des Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung (DKVF) vom 4. ─ 6. Oktober 2017 in Berlin. Im Mittelpunkt stehen unter anderem innovative Versorgungskonzepte, neue Formen der Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen sowie Ansätze aus e-Health und Telemedizin. Zu den Prioritäten beim DKVF 2017 zählt außerdem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Plenarredner

Hier können Sie die hochkarätigen nationalen und internationalen Plenarredner und deren Vortragsthemen einsehen: www.dkvf2017.de/programm/plenarredner/

Regionale Versorgung

DKVF 2017: Neue Modelle für eine bessere regionale Versorgung

Im Interview sprechen Kongresspräsident des Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung 2017, Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, und Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, über die Herausforderungen der regionalen Versorgung. Mehr

Innovationsfonds und innovative Versorgungskonzepte

Mit einem jährlichen Fördervolumen von 300 Millionen Euro bis 2019 stellt der Innovationsfonds einen Meilenstein in der öffentlichen Finanzierung neuer Versorgungskonzepte dar. Im Förderzeitraum stehen jährlich 225 Millionen Euro zur Förderung neuer Versorgungsformen zur Verfügung, weitere 75 Millionen Euro werden für wissenschaftliche Vorhaben aus der Versorgungsforschung ausgeschüttet. Dazu kommen Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Aufbau von Kompetenznetzen in der Versorgungsforschung und für die Medizininformatik an Universitätskliniken. Am zweiten Kongresstag stellen die erfolgreichen AntragstellerInnen ihre Projektideen im Rahmen verschiedener Sitzungen vor. Bei anschließenden Netzwerktreffen im World Café besteht die Möglichkeit zur Diskussion inhaltlicher und methodischer Fragen untereinander und mit ausgewählte ExpertInnen.

Innovative Versorgungskonzepte stehen im Fokus zweier weiterer Vortragssessions und einer Postersitzung. Gefragt sind dabei Machbarkeit, die Bedeutung regionaler Konzepte für die Versorgung und Möglichkeiten zur Überwindung von Barrieren bei der Umsetzung dieser Konzepte, vor allem an der Grenze zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Einige Modelle, zum Beispiel bei der Versorgung Demenzkranker, sind bereits gut untersucht. Wer sich dafür interessiert, sollte Session und Poster zum Thema „Neurodegenerative Erkrankungen“ auf keinen Fall verpassen.

Zukunft e-Health in der regionalen Versorgung

Für die Gesundheitsversorgung der Zukunft, gerade in ländlichen Räumen, ist der Einsatz digitaler Technologien ein wichtiger Lösungsansatz. Lösungen sind vielfältig: Sie umfassen die elektronische Patientenakte ebenso wie Telemedizin, Telekonsultation, Telediagnostik, Telemonitoring, Telecoaching, und internetbasierte Tools zum Selbstmanagement der Patienten. Alle diese Bereiche werden erforscht; einige der entwickelten Modelle stehen unmittelbar vor der Praxistauglichkeit. Davon kann man sich auf dem DKVF 2017 in zwei wissenschaftlichen Sessions und einer Postersession überzeugen.

Neue Formen der Arbeitsteilung

Um die Krankenversorgung flächendeckend und dauerhaft zu sichern, müssen vorhandene Ressourcen noch besser genutzt werden. Arzt oder Ärztin können zahlreiche Maßnahmen an dafür qualifiziertes Personal delegieren. In Zukunft können sie Aufgaben an eine andere Berufsgruppe abgeben, die ohne ärztliche Oberaufsicht tätig wird und selbst abrechnet. Diese Arbeitsteilung sind international erprobt und gut etabliertist, in Deutschland aber bislang nur in Modellprojekten möglich. Einer interprofessionellen Kooperation und Arbeitsteilung gehört aber die Zukunft. Die rechtlichen Aspekte der Zusammenarbeit, Anforderungen an moderne Qualifikationen, die Auswertung internationaler Erfahrungen und das interprofessionales Lernen sind die Themen mehrerer Vortragssitzungen aus diesem Bereich.

Trends und aktuelle Herausforderungen

Wer eine gute Versorgung will, muss wissen, wo die Qualitätsdefizite liegen und welche Verbesserungsmaßnahmen Erfolg versprechen könnten. Der Qualitäts- und Patientensicherheitsforschung widmet der Kongress zwei Vortragssessions und eine Postersitzung. Grundlage jeder qualitätsgesicherten integrierten Krankenversorgung ist eine strukturierte Dokumentation der Behandlung, zum Beispiel in Registern; auch dieses Thema greift der Kongress in einer eigenen Sitzung auf.

Neben der Qualität und Effizienz der gesundheitlichen Versorgung stellen gute Information, Transparenz und die Mitentscheidung der Patientinnen und Patienten eigene Versorgungsziele dar. Gerade die Gesundheitskompetenz lässt einer erst kürzlich publizierten Untersuchung zufolge in Deutschland zu wünschen übrig. Der Kongress beleuchtet das Thema in zwei Sitzungen.

Wer sich für die ökonomische Evaluation der Versorgung, z.B. in der Krebsbehandlung oder beim Einsatz von Biologika interessiert, sollte die Vorträge zur Gesundheitsökonomie auf keinen Fall verpassen. Unter dem Titel „Neue Herausforderungen“ greift der DKVF 2017außerdem die Versorgung von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund auf und präsentiert dazu Zahlen und Ansätze. Für kontrovers diskutierte Versorgungsthemen, etwa bei der Einrichtung von Registern zum Wirksamkeitsnachweis oder Substitutionsmodellen, wird es ein Pro- und Kontraformat geben, bei dem Vertreter entgegengesetzter Positionen gegeneinander antreten.

Podiumsdiskussionen und Preise

Der DKVF2017 ist nicht nur die perfekte Plattform für den wissenschaftlichen Austausch, sondern auch für Diskussionen mit gesundheitspolitischen Entscheidern. Gelegenheit dazu bietet sich zum Beispiel am Ende des ersten Kongresstages ─ im Anschluss an eine Podiumsdiskussion zur „Patientenkommunikation“, die vom Bundesministerium für Gesundheit veranstaltet wird. Beim Gesellschaftsabend des Deutschen Netzwerks für Neurodegenerative Erkrankungen am Ende des zweiten Kongresstages erfolgen die Verleihung des Hufeland-Preises sowie des Hans und Ilse Breuer Forschungspreises. Der Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis 2017 des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung wird ebenfalls im Rahmen des Kongresses verliehen.

Priorität Wissenschaftlicher Nachwuchs

Durch die verbesserten Fördermöglichkeiten ist die Nachfrage nach gut ausgebildeten VersorgungsforscherInnen in den letzten Jahren enorm angestiegen. Doch gerade hier besteht Nachholbedarf. Auf dem Kongress treffen sich die in der Versorgungsforschung tätigen Hochschullehrer, um über die bestehenden Angebote in der Aus- und Weiterbildung diskutieren.

Das Kongressprogramm hält gleich mehrere Formate speziell für den wissenschaftlichen Nachwuchs bereit. Interessierte können sich in zielgruppenspezifischen Pre-Conference-Seminaren über Karrierewege informieren oder lernen, worauf man bei der Planung des eigenen Projekts achten sollte. Meet-the-Expert/Meet-the-Editor-Sessions lassen Raum für Themen, die sonst oft zu kurz kommen: das Verfassen eines Förderantrags oder die vielen Dinge, die bei der Einreichung einer Publikation zu bedenken sind. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich über die nächste Runde der DFG-Nachwuchs-Akademie Versorgungsforschung informieren, die jungen Wissenschaftlern wieder die Entwicklung eigener Projektideen ermöglicht. Junge VersorgungforscherInnen können sich mit ihrem eingereichten Abstract um ein Kongressstipendium bewerben, die besten Poster werden mit einem Preis prämiert.
Wer seine Abschlussarbeit beim Science Slam vorstellt, hat ebenfalls die Chance auf einen Preis. Mitmachen lohnt sich also!

Aufwind für den Nachwuchs
Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gehört zu den Prioritäten beim Deutschen Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) 2017. Im Interview: Prof. Dr. Nicole Ernstmann, Mitglied des Vorstands vom Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) und Dr. Rebecca Palm, Sprecherin der AG Nachwuchsförderung beim DNVF, über Chancen und Herausforderungen für junge VersorgungsforscherInnen. Mehr